Sabine Lutzenbergermezzosoprano Klangforum Wien / Sylvain Cambreling
Includes booklet with text by Sabine Sanio
0013092KAI - 2010
tracklisting:
Die Sterne des Hungers (2007)
nach Texten von Christine Lavant
(01) Praeludium “...mon commencement.“ 8:04
(02) Lösch aus 13:53
(03) Erleuchtung! 8:39
(04) Interludium: “Ma Fin est...“ 2:16
(05) Die Trübsinnsstaude 5:28
(06) Im Rückgrat aufwärts... 7:50
(07) “...et mon commencement ma...“ 1:43 Monadologie VII ... for Arnold (2009)
(08) Thema I 9:05
(09) Thema II 6:03
(10) Thema III 4:40
(11) Thema IV 5:09
(12) Coda 3:06
TT: 72:49
The Stars of Hunger, was composed in 2007. It is based on three poems by the Austrian poet Christine Lavant: “Im rueckgrat aufwaerts glimmt ein licht,” “So also geht erleuchtung vor,” “Zeig an mir die kräuter welche bestärken” and “Lösch aus mein gesicht und führe mich blind.” Rather than set the poems themselves to music, Lang used the text generation program Abulafia to produce from them a cut-up in the tradition of William S. Burroughs. The composition contains only fragments of the poems, but both the invocational gestures and the characteristic language of these lyrical works -“Ginsterlicht,” “Schlüsselblick,” “mondversippt,” “der Schlaf steht duftend und gesalbt”- remain recognizable. Lang augments the four movements devoted to the Lavant poems by an instrumental introduction and two variations on Guillaume de Machaut’s rondo Ma fin est mon commencement. The identification of beginning and an end, as indicated in the text’s title line, shows that repetition was an issue even as long ago as Machaut’s day. But while this line is enough to conjure up an era during which the belief in life after death was still unquestioned (Machaut died in 1377), Lavant’s poems articulate this belief solely via their rebellion against the suffering of living creatures.
Monadologie VII shows us a familiar and yet strange landscape, a musical topography bereft of a dramaturgy; again and again, the musical events grind to a halt, get stuck. In these brief moments of empty repetition, it is as if one could abandon every plan and every objective without the slightest loss. It is such moments that give rise to dimensions within which the difference between present and past transforms itself into a musical experience. (Sabine Sanio)
Die Sterne des Hungers beziehen sich auf Texte von Christine Lavant, und zwar auf die Gedichte “Im rueckgrat aufwaerts glimmt ein licht”, “So also geht erleuchtung vor”, “Zeig an mir die kräuter welche bestärken”, “Lösch aus mein gesicht und führe mich blind”. Dazwischen wurde Machaut‘s Rondeau “Ma Fin est mon commencement” interpoliert, das nach 20 Takten im Original exakt rückwärts läuft. Die Lavant-Texte wurden, um das Original unangetastet zu lassen, mittels des Textgenerators “Abulafia” unterschiedlich zersplittert und erscheint nur in Bruchstücken. Harmonisch erforscht das Stück weiter die neuen Frequenzmodulationsspektren, die erstmals in DW14 Verwendung fanden und in den Folgestücken zur harmonischen Grundlage wurden. Auch die in DW9 zitierten Zellulären Automaten finden hier als algorithmische Komplexe Eingang in die Instrumentaltextur.
Für Monadologie VII hat Lang aus dem Stück von Schönberg vier „Hauptthemenkomplexe“ (Lang) isoliert. In den vier Sätze seiner siebten Monadologie liefern diese Komplexe das Material für die zellulären Prozesse. Schönbergs zweite Kammersymphonie ist zur Metakomposition geradezu prädestiniert – Schönberg selbst hatte es 1906, kurz nach der Vollendung seiner ersten Kammersymphonie begonnen, aber erst 1939 abgeschlossen. Auffälligstes Merkmal der Zweiten Kammersymphonie ist ihr retrospektiver Gestus, sie eröffnet dem Hörer ungewöhnliche Einblicke in die Vergangenheit der tonalen Musik. In der von Schönberg 1939 erstellten Version ist die strenge, abstrakte Technik, die er sich bei der Arbeit an der Dodekaphonie angeeignet hatte, ebenso virulent wie Schönbergs hartnäckiger Impuls, Erinnerungsarbeit am Vergessenen zu leisten. Gewissermaßen im Rückblick profitiert daher die extrem erweiterte Tonalität des frühen Entwurfs von den konstruktiven Erfahrungen der Zwölftontechnik. Dem Hörer hingegen eröffnet in dieser Musik, die unablässig zwischen Vertrautheit und Verfremdung changiert, weitgehend unbekanntes musikalisches Terrain. (Sabine Sanio)